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Reisebericht Mongolei 2013


…auf den Spuren des Dschingis Khan – Reisebericht der Scouttour 2013 von Michael Ortner

Gewitter über der Steppe: Wir haben unser Lager bei einer mongolischen Hirten-Familie aufgeschlagen, als die Tiere anfangen, unruhig zu werden. Viel früher als der Mensch spüren sie ein herannahendes Unwetter. Schnell treiben die Mongolen alle Tiere in der Nähe zusammen, kleine Habseligkeiten, die der aufziehende Sturm wegtreiben könnte, werden in den Jurten verstaut. Im Ofen legt man noch schnell etwas Brennbares nach und das Unwetter kann kommen.

 

Mythos Mongolei, Offroad mit 4x4-Experience

Mythos Mongolei, Offroad mit 4×4-Experience

Um es abzuwarten, werden wir in die Zelte der Mongolen eingeladen. Ihre Gastfreundschaft ist groß. Im Halbdunkel des Nomaden-Zeltes steht ein kleiner Herd, dessen Ofenrohr durch die Krone ragt. Am Rand stehen Betten, die tagsüber als Sitzgelegenheit dienen. Schulterhohe Scherengitter verstärken die Seitenwände und mehrere Lagen Wollfilz sorgen für eine gute Wärmedämmung und machen die Jurte wasserdicht.

 

Im gusseisernen Ofen bollert das Feuer und es wird langsam warm, während der einsetzende Regen aufs Zelt prasselt. Auf dem Herd köchelt ein großer Topf mit Milch und es riecht nach frisch gekochtem Hammelfleisch. Draußen hört man das Grollen der Blitze und die Pferde wiehern kurz auf, während es drinnen Milchtee mit Salz und getrockneten Quark aus Ziegenmilch gibt.

 

So schnell wie es gekommen ist, so schnell ist das Unwetter weiter gezogen. Am nächsten Morgen brechen wir wieder auf. Wir revanchieren uns für die Gastfreundschaft mit Lebensmitteln und Spielsachen für die Kinder und weiter geht die Fahrt. Der Regen hat die Offroad-Tracks aufgeweicht. Aber mit unseren Geländewagen kommen wir gut voran. Unsere Pisten schlängeln sich bis zum Horizont, … dort wo der Himmel die Erde berührt.

 

Reisen durch die Mongolei erweitern den eigenen Horizont, denn wie schon der große Dschingis Kahn sagte: „Ein Frosch, der tief unten in einem Brunnen lebt, beurteilt die Ausmaße des Himmels nach dem Brunnenrand“.

 

Mythos Mongolei

Mythos Mongolei

Impressionen von Michael

Die Anreise vom Flughafen Köln-Bonn mit Air Berlin war turbulent wie immer: Beim Check-In stelle ich fest, dass mein Reisepass samt Visum zu Hause geblieben ist. Mein kostbares Visum, das ich mir direkt bei der mongolischen Botschaft in Brüssel abgeholt hatte. Also kurz entschlossen zurück nach Hause, Pass und Visum gegriffen und zurück nach Köln Bonn. Hier klappt es gerade noch, da ich beim ersten Mal komfortable 120 Minuten vor Boarding-Time eingetroffen war.

Einen Tag später sitze ich mit meinem mongolischen Scouting-Team rd. 7.800 Kilometer Luftlinie von Köln entfernt in einer landestypischen Jurte. Neben mir Tunga, die Dolmetscherin, und Tumru, der die Pisten kennt und den Toyota fährt. Wir sind manchmal 12 bis 14 Stunden am Tag unterwegs, um die Etappenziele zu erreichen.

Aus dem Nachbarzelt weht Folklore-Musik zu mir hinüber: Nach dem Essen spielt „Kablakan“ mit fünf aisatischen Saiteninstrumenten, Querflöte und Sängerin, sehr stimmungsvoll. In ihren Liedern geht es um Liebe, um die Schönheit der Natur. Und obwohl ich kein Wort davon verstehe, hält mich die Stimmung der Musik gefangen.

Mythos Mongolei

Mythos Mongolei, Kleines Konzert zur Begrüßung

Unsere heutige Tagesetappe ist 365 Kilometer lang gewesen. Quer durch endlose Steppe, die in unzähligen Grüntönen leuchtet. Die an sich gut ausgebaute Straße ist jetzt, nach einem langen Winter mit Schnee und Eis, von zahlreichen Schlaglöchern durchzogen. Den meisten können wir gekonnt ausweichen. Manche passieren wir allerdings in direkter Linie, der Gegenverkehr erfordert das auf einigen Teilstücken. Die Einschläge strapazieren Fahrwerk und Nerven.

Dann kommen Passagen, in denen der feine Steppenstaub wie Nebel in der Luft hängt. Tempo runter, 40 km/h statt 80 km/h, Halbierung der Reisegeschwindigkeit. So erreichen wir unser Ziel nach acht Stunden Fahrt, um vier Uhr am Nachmittag.

Vor dem Abendessen betreten wir noch historischen Boden: Das Kloster „Erdene Zuu“ ist die älteste erhaltene buddhistische Tempel-Anlage der Mongolei. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert, liegt zentral inmitten des riesigen Landes und wird von einer mächtigen Wehrmauer eingefasst. Tausend Mönche lebten und beteten einmal hier. In stalinistischer Zeit wurde das Kloster 1937 teilweise zerstört. Heute sind noch vier Tempel und die imposante Mauer erhalten, alles mehrere Hektar groß. Und auch heute beten noch Mönchen in den Tempeln, ich kann ihre Gesänge hören.

Mythos Mongolei

Mythos Mongolei

Im Camp wird um 20 Uhr das Abendessen aufgetischt: Krautsalat, scharfes Gulasch mit Reis an „kalter Fritte“. Zum Abschluss wird Tee kredenzt. Ich habe schon weitaus schlechter auswärts gegessen. Und zur Sicherheit habe ich auch einige Vorräte mit in die Mongolei genommen, deutsches Brot zum Beispiel.

Danach: Gute Nacht. Bei einem Schlaftrunk-Bier sind mir vor dem Laptop immer wieder die Augen zugefallen. Also ab in die Jurte, rauf auf’s Einmeterneunzig-Bett.

Mythos Mongolei, Offroad mit 4x4-Experience

Mythos Mongolei, Offroad mit 4×4-Experience

Am nächsten Morgen geht die Sonne um 4:30 Uhr auf, die Vogelwelt begrüßt den neuen Tag lautstark, ich wache früh auf. Der Tag ist durch die Zeitverschiebung 5 Stunden länger geworden.
Ab ins Waschhaus, Morgenpflege samt wunderbarem Ausblick über die einzigartige Landschaft.

Nach dem landestypischen Frühstück (ergänzt um Nutella und Tee) geht es früh weiter Richtung Westen. Unsere Route läuft an einem Fluss entlang, auf dessen Wiesen Pferde-Herden galoppieren. Die Straße ist hier ausgewaschen und das Fahrwerk unseres Toyota meldet das verlässlich an uns weiter: Im Schritt-Tempo rollen wir weiter in den Nationalpark der Hangayn Nuruu-Berge.

Danach im Offroadmodus die vier Kilometer zum Tuvkhun Kloster. Es stammt aus dem Jahr 1653 und wird auch „Land der glücklichen Einsamkeit “ genannt. Dort wird Brotzeit gehalten. Heißes Wasser für unseren Tee bekommen wir von den Mönchen, im Tausch gegen Nudelsuppe.
Vor dem Abendessen betreten wir noch historischen Boden: Das Kloster „Erdene Zuu“ ist die älteste erhaltene buddhistische Tempel-Anlage der Mongolei. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert, liegt zentral inmitten des riesigen Landes und wird von einer mächtigen Wehrmauer eingefasst. Tausend Mönche lebten und beteten einmal hier. In stalinistischer Zeit wurde das Kloster 1937 teilweise zerstört. Heute sind noch vier Tempel und die imposante Mauer erhalten, alles mehrere Hektar groß. Und auch heute beten noch Mönchen in den Tempeln, ich kann ihre Gesänge hören.

Mythos Mongolei, Offroad-Reise mit 4x4 Experience

Mythos Mongolei, Offroad-Reise mit 4×4 Experience

10.000 „Tögrög“, umgerechnet 6 Euro zahlt man für Besuch der Klosteranlage. Ich klettere mit Fotoapparat auf den Gipfel der Klosteranlage. Hier steht ein Schild: „Kein Zutritt für Frauen“. Schade, denn es gibt hier einen atemberaubenden Ausblick über Wälder und Steppe. Ungestört bis zum Horizont.

Nach unserer Rast in Tuvkhun geht es talwärts durch dichte Wälder. Doch der Geruch erhitzter Bremsen zusammen mit nachlassender Verzögerungsleistung zwingen uns zu einem Not-Stop. Befund: alle vier Bremsklötze sind heruntergefahren. Also: erstmal abkühlen lassen, danach mit genau dosierter Motorbremse weiter. Die Werkstätten haben auch in der Mongolei am Wochenende geschlossen. So fahren wir quietschend und rauschend weiter, in der Hoffnung, dass alles irgendwie hält.

Mythos Mongolei

Mythos Mongolei, reitende Hirtin mit ihren Tieren

Vor Sonnenuntergang erreichen wir unser geplantes Ziel, den Orkhon-Wasserfall, allerdings ohne Wasser. Das trockene Frühjahr hat die Gebirgsflüsse zu Rinnsalen werden lassen. Wir fahren mit Vorsicht weiter durch das ausgetrocknete Flussbett: Ein heftiger Regenschauer in den umliegenden Bergen (und sei es 100 Kilometer entfernt) und die Wassermassen wälzen sich heran. Mann und Maschine sind dann in „Big Trouble“.

Doch es bleibt trocken und wir erreichen unser Ger-Camp. „Ger“ heißen die Jurten in der Landessprache. Hier ist Selbstverpflegung angesagt. Die Hausherrin stellt uns die Hardware zur Verfügung, kochen muss ich selber: Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln mit Corned Beef aus der Dose. Ein handfester, sehr leckerer Eintopf. Auch meine mongolischen Begleiter essen alles auf und wollen Nachschlag. Ich werte das zufrieden als Lob an meine Kochkünste.

Mythos Mongolei

Mythos Mongolei, stolzer Vater

In der Frühe des nächsten Morgens beobachte ich, wie die Jaks gemolken werden. Und: ich bekomme warme Jak-Milch und Jogurt. Der Geschmack ist speziell, ganz anders als Kuhmilch. Eher erdverbunden und intensiv.

Mit der Sonne im Rücken brechen wir auf Richtung Övörkhangai, einer Provinz im Süden der Mongolei. Wir folgen dem Flussverlauf des Orkhon und ich genieße – wie noch öfter – ein regelrechtes „Wild West Gefühl“. Grasende Jaks (wie Bisons), Kuh- und Pferdeherden im Fluss.
Das grau-bräunliche Farbspiel der Erdtöne wechselt sich mit schillernden Grüntönen von Blättern und Gräsern ab. Am Horizont leuchtet der Sonnenaufgang. Schön und friedvoll, unbeschreiblich.

Mittags erreichen wir unser Etappen-Ziel Bat-Öldziy und kaufen (unpassende) Bremsbeläge für unseren Toyo. Die Werkstatt am anderen Ende der Stadt hilft uns pragmatisch weiter, sie passt die Bremsbeläge an. Danach werden Bremskraftverstärker und Pedalerie befestigt und die Bremsanlage nach dem Öffnen entlüftet. Aufenthaltsdauer 4 Stunden.

Frisch repariert geht es in strahlender Mittagssonne weiter. Unser Ziel sind die heißen Quellen des Gold-Tagebaus im Distrikt Taragt. Hier schickt uns zunächst ein Einheimischer in die falsche Richtung. Wir verstehen: Jeder versteht unter „heißer Quelle“ eben etwas anderes. Am Ende erreichen wir die Quelle aber doch, in 1.800 Metern Höhe, dahinter ein unüberwindbarer Höhenzug. Also Kehrtwende und auf kürzestem Wege zurück ins Tal. Wie lautet schließlich die alte Offroader-Weisheit? „Never, never ever drive in the dark.“

In Taragt führt uns ein freundlicher Einheimischer zu einem Hotel. Toilette im Hof, TV und Strom. Hier sind die Betten noch kürzer als bisher: genau 180 cm. Ich packe Schlafsack und Isomatte aus, das Abendessen ist eine mongolische 5-Minuten-Terrine.

Mythos Mongolei

Mythos Mongolei

Am nächsten Morgen: Rückenschmerzen. Und die Außentoilette ist ein Abenteuer für sich. Ein Loch, 2 mal 2 Meter, darüber ein Balken und eingefasst von einem Holzverschlag. Gewöhnungsbedürftig für Stadtmenschen wie uns, aber nicht ungewöhnlich. In den Hotels auf dem mongolischen Land fallen sanitäre Anlagen nun einmal klein aus, wenn überhaupt. Meist fehlt es an fließendem Wasser, Strom ist allerdings meist vorhanden.

Unser drittes Tageszielt sind die Ruinen des Klosters Unstiyn, in denen leider kein Mönch mehr wohnt. Dafür eine Art „Wild West“-Dorf gleich nebendran. Sogar ein Hotel mit Karaoke Bar. Singen und feiern bis 2.00 Uhr in der Frühe. Nein, nicht wir, sondern die Einheimischen Touristen. Wir erleben stattdessen die unruhigste Nacht unser Tour.

Am nächsten Morgen, nachdem wir von Karaoke-Lärm und Licht im Flur, kurzen Betten und allerhand Insekten-Aktivitäten geplagt wurden, wollen wir früh aufbrechen. Es bleibt zunächst beim Wollen, denn unser Toyo lässt sich nicht öffnen. Erfolglos versuchen wir, das Türschloss mit einem Draht zu „knacken“. Was nun? Wir entschließen uns, das Heckfenster zu demontieren.

Die Gefahr eines Glasbruches ist dabei groß. Und der Gedanke an den Staub, der schon bei geschlossener Heckklappe durch das Heck ins Wageninnere dringt, lässt uns hier mit größter Vorsicht agieren. Mit Löffeln und einem Hackbeil gelingt uns schließlich die schadenfreie Demontage (und Wieder-Montage) der hinteren Seitenscheibe.

Verspätet gehen wir die Etappe an. Vor uns liegen 145 Kilometer, ausnahmslos Wüstenpisten von herber Schönheit. Wir kommen allerdings nicht weit, noch am Vormittag bleiben wir liegen – der Toyo kocht auf. Die Schadensanalyse ist schnell gemacht, der Thermostat des Wasserkreislaufs öffnet nicht.

Über Satellitentelefon rufen wir den „Fixer“, der den Wagen vorbereitet hat. Aber der kann uns nicht weiterhelfen. Also Selbsthilfe: Mit dem Bordwerkzeug gelingt es uns, nach Demontage der Hydraulikpumpe alle drei „M-12-Schrauben“ zu lösen. Sechs Liter Wasser ergießen sich dampfend auf den Wüstenboden. Wohlweislich haben wir Trinkwasser eingekauft, in 0,5Liter-Flaschen, 20 Stück. Man kann ja nie wissen. Also, rein damit, endlos lange Zeit. Und ich weiß bis heute nicht, warum der Thermostat am tiefsten Punkt des Motors eingebaut wird.

20 Kilometer weiter die Wüstenpiste runter finden wir dann ein bewohntes Ger. Die nette ältere mongolische Dame versorgt uns mit Nachschub für unser Trinkwasser. Wir bedanken uns mit Gummibärchen bei den Enkeln. Später dann füllen wir an einem vertrauenswürdigen Brunnen weitere Flaschen auf, nebenan schlürfen gleichzeitig Wildpferde das kühle Nass aus der Tränke. Die Stimmung im Toyo wir zusehends besser. Und wir schaffen Kilometer um Kilometer, bis wir schließlich erleichtert die Asphaltstraße von Mandalgobi nach Ulan Bator erreichen. Geschafft!

Erst einmal tanken und essen. Danach ein besonderer Luxus: ein echtes Keramik-Klo aufsuchen. Danach sollten die 270 Kilometer bis zur mongolischen Haupstadt Ulan Bator zügig zu schaffen sein. Aber die eingezeichnete Straße einpuppt sich als staubige Schotterpiste. Hier sollen erst ab November 2013 die LKWs auf Asphalt rollen. Ein straffes Programm. Die Kosten pro Kilometer doppelspuriger Schnellstraße: 400.000 Euro minimal, 750.000 Euro maximal. Der offizielle Projektplan sieht vor, dass alle großen Städte in naher Zukunft per Asphalt-Straße miteinander verbunden werden sollen. Eine ambitionierte Infrastrukturmaßnahme.

Mythos Mongolei

Mythos Mongolei, mit Adler vor dem Kloster

Am späten Abend erreichen wir Ulan Bator. Es ist Donnerstag, wir haben hier ein gutes Hotel gebucht. Es bietet Bed & Breakfast und kostet 150 Euro pro Nacht. Um 23.00 Uhr bekomme ich im benachbarten Restaurant noch ein unkompliziertes Abendbrot, danach Nachtruhe.

Am Freitag stehen dann Besprechungen mit den Behörden und dem Organisationsteam auf dem Programm. Und ich betreibe ein wenig Feldforschung: Ich besuche die Messe „Future Mongolia“. Dort präsentieren sich 120 Austeller aus aller Welt, Branchen-Schwerpunkt ist der Maschinenbau. Ich spreche ich mit den Vertretern deutscher Firmen über ihre Erfahrungen in der Mongolei.

Einen Großteil dieser Aussteller treffe ich übrigens samstags am Flughafen wieder. Und wir alle erleben unser letztes mongolisches Abenteuer: Alle Flüge sind gestrichen. Starke Fallwinde behindern den Flugverkehr rund im Ulan Bator, der Abflug verzögert sich um 8 Stunden. Ich nutze die Zeit und betreibe noch ein wenig Feldforschung, indem ich Interviews mit den Ausstellern führe.

Als ich dann endlich zum Start rolle, denke ich: Bis bald Mongolei, die Vorbereitung hat erst angefangen!

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