Reisebericht Korsika

Offroad-Abenteuer Korsika

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„Hätte ist nicht Danieles Fahrstil“
Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss: Nach vier Tagen bereits sehr anspruchsvollem Offroadfahren quer über die wunderschöne Insel Korsika, erwartet uns am Freitag der „europäische Rubicon“ wie uns unser Guide Michael Ortner die Strecke ankündigt.

„Es gibt in Europa kaum eine anspruchsvollere Offroad-Piste“, betont der 53-Jährige. Ich tröste mich mit dem Gedanken, zur Not auszusteigen und Fotos zu machen. Und wirklich, es geht direkt heftig los. Über dicke Felsbrocken bewegen wir uns eine Art Flusslauf entlang.

Vor uns fährt der korsische Guide Daniele. Doch nicht immer folgen wir seiner Spur, denn wie formulierte es Michael an Tag 3 so schön, als sich Daniele zum dritten Mal festgefahren hatte: „Hätte ist nicht Danieles Fahrstil.“ Der 67-Jährige nimmt meist den direkten Weg ohne viel Rücksicht auf sein Auto. Da sind die Teilnehmer unserer Gruppe schon wesentlich besonnener:
Bereits nach dem ersten Vormittag sind wir zwei Autos weniger, weil den Fahrern die Strecken zu heftig sind. Kein Wunder, schließlich ist die Tour beim Anbieter „4×4 Experience“ mit Vier Sternen Plus gekennzeichnet. Mehr als fünf Sterne gibt es nicht. Also Ohren zuhalten und weiterfahren, auch wenn Äste und Dornen am Autolack entlangkratzen. Die Spuren sind wie Narben nach einem siegreichen Kampf.
Entschädigt werden die Teilnehmer durch die wunderschöne Landschaft und das Gefühl, mit seinem Auto jederHerausforderung zu trotzen. Dazu gehört es auch, zwischendurch auszusteigen, die Spitzhacke rauszuholen und den Weg wieder befahrbar zu machen. Das passierte an Tag 1 der Tour gleich zweimal. Kaum zu glauben, wie glücklich es machen kann, Steine zu schleppen. Durch die Verzögerung erreichen wir unsere Campstelle am Meer erst sehr spät und müssen den Sonnenuntergang vom Auto aus betrachten und nicht wie geplant, beim Lagerfeuer am Strand. Programmänderungen gehören dazu, wir haben halt keine Pauschalreise gebucht.

Am nächsten Tag warten die nächsten Herausforderungen auf Mensch und Auto: die Himmelsleiter und die Höllenstiege. Auch hier verzichten zwei Autos auf die Challenge und fahren eine Alternativroute, die ihnen unser Guide vorschlägt. Verstehen kann man es, wenn man den steilen Anstieg sieht, den die Autos bewältigen sollen. Eine kurze Einweisung von Michael, dann geht es los. Auto für Auto bezwingen wir die felsige Steigung. Meine Hände werden feucht, aber das Vertrauen in Fahrer und Auto wächst von Tag zu Tag. Nach dem zweiten Anstieg geht es mindestens ebenso steil wieder hinab. Auch hier weisen Michael und Daniele jedes Auto
einzeln die steilen Felsstufen hinunter. Löcher werden immer wieder mit Steinen aufgefüllt. Zur Not stellt sich unser Guide
auf die Stoßstange, um so zu verhindern, dass sich ein Reifen in die Luft hebt. Für die, die warten oder es bereits geschafft haben, bleibt Zeit den wunderbaren Ausblick aufs türkisfarbenen Meer oder die Pflanzenvielfalt zu genießen.

„Insel der Düfte“ wird Korsika genannt und wer im Frühjahr hierher kommt, weiß schnell warum: Überall wachsen Kräuter
wie Rosmarin oder Thymian, es duftet nach wildem Lavendel oder Ginster.

Auch die nächsten zwei Tage halten immer wieder neue Eindrücke bereit: Wir fahren durch romantische Bergdörfer, Wälder mit Korkeichen und Edel-Kastanien über schmale Pisten mit Blick auf schneebedeckte Berge und immer mal wieder ans Meer. Zwischendurch geraten wir in eine Kuh-Herde, sehen eine Horde Wildschweine und immer wieder Geckos.

Am vorletzten Abend übernachten wir bei Pierot in den Bergen. In der gemütlichen Holzhütte gibt es ein gemeinsames Abendessen. Nach Schinken, Salami sowie Nudeln mit Wildschwein wird der Teller mit Brot sauber gewischt. Die Essensreste kommen in eine Schüssel, sie sind für die Schweine bestimmt. Nun wird der Teller umgedreht und die Unterseite für den Nachtisch genutzt. Es gibt Frischkäse und braunen Zucker, beides wird mit reichlich Obst-Schnaps begossen und angezündet. So etwas nennt man auch „Eventcooking“. Wem es im Zelt zu kalt ist, der kann in einem der Studios oder Mehrbettzimmer übernachten. Nach dem gemeinsamen
Frühstück am nächsten Morgen geht es dann zum bereits erwähnten Highlight: der Piste des Seigneurs.

Die Teilnehmer werden in zwei Gruppen eingeteilt und starten mit etwas Zeitabstand. Dieser wird allerdings aufgebraucht, weil Daniele sich wieder einmal festgefahren hat und von uns mit viel Manneskraft und einem Abschleppseil aus dem Loch befreit werden muss. Das kostet Zeit. Doch die erfolgreiche Bergung lässt alle strahlen. Daniele erklärt, dass sein Allradantrieb leider kaputtgegangen sei und er die Strecke nun mit Hinterradantrieb fährt. Respekt. Ein zweiter Zwangsstopp ereilt uns, als bei einem Defender der Dieselschlauch abreißt.

Wir warten auf Michael, der die zweite Gruppe führt. Zum Glück kann er das Problem relativ schnell und unkompliziert beheben. Am frühen Nachmittag erreichen wir unser Ziel: die Schäferhütte von Pasquale. Hier erwartet uns erneut ein gemeinsames Essen an langen Tischen in freier Natur. Dazu kühler Rosé und kräftiger Rotwein. Herrlich. Am späten Nachmittag sind wir aus den Bergen zurück und bewegen uns wieder auf Asphalt.

Unsere Tour ist zu Ende, es geht ans Verabschieden. Die Woche ist geflogen, so viele Eindrücke begleiten uns auf dem Weg nach Hause. Es war eine schöne Zeit in einer Gruppe von Gleichgesinnten. Mancher Wanderer, dem unsere Offroad-Truppe begegnete, schüttelte sicherlich innerlich den Kopf, über die verrückten Deutschen, die mit ihren Allrad-Autos durch die Korsischen Berge fahren. Doch für uns als Familie war es eine unvergessliche Zeit, die auch unsereKinder sehr genossen haben. Wer Kratzer am Auto nicht scheut und sich auch eher rauen Strecken mit tiefen Verschränkungen und großen Steinbrocken gewachsen fühlt, dem sei diese Tour unbedingt zu empfehlen.

Katrin Hilger